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BARDO
Das Tibetische Totenbuch
Text
und Sprache:VEETMAN 220
min, Stereo-Dolby ,
mit speziell dazu erschaffener Musik von
CHINMAYA Jantke

Diese Edition
ist außer in deutsch und englisch auch in
folgenden Sprachen erschienen: Italienisch,
Französisch,
Tschechisch, Spanisch, Koreanisch, Japanisch.
Diese Editionen sind z.T. beim
Institut erhältlich.
Bestellinfos
Bilder aus Tibet
Persönlicher Bericht.
BARDO in der Sterbebegleitung

Sterbebegleitung im Kontext
des Bardo
BARDO in der Sterbebegleitung
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Es
gibt eine Technik der aktiven Meditation, eine Technik, mit der
man bewusst in den Tod gehen kann. In Tibet ist diese Technik unter
dem Namen BARDO bekannt.
Ganz ähnlich wie ein Mensch sonst im Moment des Sterbens von den
anderen hypnotisiert wird, werden einem Sterbenden dort von Leuten,
die ihn im Bardo unterstützen, anti-hypnotische Suggestionen eingegeben.
Beim Bardo versammeln sich die Leute um jemanden in seinen letzten
Momenten und sagen ihm: "Du stirbst nicht, denn es ist noch nie
jemand gestorben." Sie geben ihm anti-hypnotische Suggestionen.
Es wird nicht geweint und gejammert; es wird nichts anderes gemacht.
Die Leute versammeln sich um ihn und ein Dorfpriester oder ein Mönch
sagt zu ihm: "Du stirbst nicht, weil noch nie jemand gestorben ist.
Du wirst ganz entspannt und bewusst gehen. Du wirst nicht sterben.
Es ist noch nie jemand gestorben."
Der Betreffende schließt die Augen, und dann wird ihm der ganze
Vorgang erzählt: wie nun seine Lebensenergie die Beine verlässt,
wie sie aus den Händen.hinausgeht, wie er dann nicht mehr sprechen
kann und so weiter. Und doch, so wird demjenigen gesagt, ist er
immer noch da; er wird bleiben. Und alle um ihn herum geben ihm
diese Suggestionen. Diese Suggestionen sind einfach anti-hypnotisch.
Das heißt, sie dienen dazu sicherzustellen, dass die Person nicht
an der gesellschaftlichen Illusion festhält, sie stünde an der Schwelle
des Todes. Um sie daran zu hindern, wird Bardo als Gegengift eingesetzt.
Wenn
die Welt einmal eine gesündere Einstellung zum Tod hat, dann braucht
man auch kein Bardo mehr. Aber wir leben sehr ungesund, wir leben
in einer großen Illusion. Wegen dieser Illusion ist das Gegengift
dringend nötig. Wann immer jemand stirbt, sollten sich alle, die
ihn lieben, darum bemühen, seine Illusion vom Sterben zu zerstören.
Wenn sie es schaffen, ihn wach zu halten und ihn jeden Moment und
an jedem Punkt immer wieder daran zu erinnern...
Dann zieht sich das Bewusstsein aus dem Körper zurück. Es passiert
nicht alles in einem Moment: Der ganze Körper stirbt nicht auf einmal.
Das Bewusstsein zieht sich nach innen zusammen und verlässt ganz
allmählich einen Teil des Körpers nach dem anderen. Es zieht sich
in verschiedenen Stadien zurück und sämtliche Stadien dieser Kontraktion
können dem Sterbenden im Einzelnen vorgetragen werden - als Mittel,
um ihn bei Bewusstsein zu halten.
Niemand kann jemals sterben und dabei wissen, dass er stirbt, sich
also dessen bewusst sein. Denn er bleibt ja bewusst und sieht, dass
er nicht stirbt, dass zwar etwas in ihm stirbt, aber nicht er selbst.
Er beobachtet diese Trennung und stellt letztendlich fest, dass
sein Körper getrennt von ihm daliegt, in einem gewissen Abstand.
Dann erweist sich der Tod lediglich als eine Trennung; er bedeutet
lediglich,dass eine Verbindung abgebrochen wird. Es ist so, als
würde ich aus einem Haus hinaustreten, und die Mitglieder des Haushalts,
die von der Welt außerhalb der Mauern des Hauses nichts wissen,
kommen an die Tür, um sich tränenreich von mir zu verabschieden.
Sie meinen, der Mann, von dem sie sich verabschiedet haben, sei
gestorben.

Die Trennung von Körper und Bewusstsein ist der Tod. Da es nur eine
Trennung ist, macht es keinen Sinn, es Tod zu nennen. Es ist lediglich
eine Loslösung, die Unterbrechung einer Verbindung. Es ist nichts
anderes als die Kleidung zu wechseln. Wer also mit Bewusstsein sterben
kann, stirbt niemals wirklich. Für ihn ist der Tod deshalb kein
Thema. Er wird den Tod nicht einmal als Illusion bezeichnen. Er
wird nicht einmal sagen, dass jemand stirbt oder nicht stirbt. Er
wird einfach sagen, dass das, was wir bis gestern Leben genannt
haben, lediglich eine Verknüpfung war. Und diese Verknüpfung ist
nun abgebrochen. Nun hat ein neues Leben begonnen, das keine Verknüpfung
im vorherigen Sinne ist.
Vielleicht ist es eine neue Verbindung, eine neue Reise. Es ist
allerdings nur dann möglich, bewusst zu sterben, wenn man auch bewusst
gelebt hat. Wenn du gelernt hast, wie man bewusst lebt, wirst du
sicher in der Lage sein, bewusst zu sterben, denn Sterben ist eine
Funktion des Lebens, es findet im Leben statt.
Mit anderen Worten: Der Tod ist das letzte Ereignis von dem, was
du unter Leben verstehst. Er ist kein Ereignis, das außerhalb des
Lebens stattfindet. Es ist wie mit einem Baum, der Früchte trägt.
Zuerst sind die Früchte grün, dann werden sie allmählich gelb. Sie
werden immer gelber, bis sie schließlich ganz gelb sind und vom
Baum fallen. Dieses Herunterfallen ist kein Ereignis, das mit dem
Gelbwerden nichts zu tun hätte. Es ist vielmehr die höchste Vollendung
des Gelbwerdens.
Wenn eine reife Frucht vom Baum fällt, ist dies kein äußeres Ereignis,
es ist vielmehr der Höhepunkt des Reifungsprozesses, den sie bereits
durchgemacht hat. Und was geschah, als die Frucht noch grün war?
Sie hat sich auf dieses letzte Ereignis vorbereitet. Und dasselbe
war der Fall, als die Blüte am Zweig noch nicht einmal aufgeblüht
war, als sie sich noch im Inneren des Zweiges verbarg. Selbst dieser
Zustand war eine Vorbereitung auf das letzte Ereignis. Und wie war
es, als sich der Baum noch gar nicht manifestiert hatte, als er
noch im Samen verborgen war? Auch da fand dieselbe Vorbereitung
statt. Und wie war es, als dieser Same noch nicht einmal geboren
war, sondern noch in einem anderen Baum verborgen war? Derselbe
Prozess fand statt.
Der Tod ereignet sich also nur als Teil einer Kette von Ereignissen,
die alle zusammengehören. Dieses letzte Ereignis ist nicht das Ende,
sondern nur eine Trennung. Eine Beziehung, eine Ordnung wird durch
eine andere Beziehung, eine andere Ordnung ersetzt.
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