BARDO
Mit einem sterbenden Freund sein
Dies ist Bericht von Sam in den USA, der seine Freundin im Hospiz begleitet hat, und darüber berichtet, wie sie in Ihrem Sterben den BARDO-Prozess anwendet, und wie er anderen Menschen hilfreich sein kann.
Während meine Freundin Anna im Sterben lag, gab es Zeiten, in denen sie wild halluzinierte. Die erste Nacht, in der ich sie betreute, war einer dieser Momente. Sie sah Kobolde unter den Hospizstühlen herumspringen, und es gab transparente kleine Tiere und Gestalten, die kamen und mit den Schwanz wedelten und still miauten, und um völlige Materialisierung baten.
Ich war selbst ziemlich unsicher. Als ich versuchte, die Höhe des Bettes einzustellen, schoss das Bett so hoch wie nur möglich; dann drückte ich wieder falsch, und das Kopfende schoss nach vorn als ob es sie erdrücken würde. „Abbott und Costello begegnen dem Tod“, murmelte ich, aber ich glaube nicht, dass sie es gehört hat.
Sie wollte diese Cassetten spielen, die sie oft gehört hatte, und endlich hatten wir alles zusammen, Walkman mit Kopfhörern, und saßen da, unsere Köpfe berührten sich fast in einem Durcheinander von Kabeln.
„Unsere Natur ist grundsätzlich eine Leere mit den Qualitäten des Erschaffens und Wissens,reines Bewusstsein ohne eine bestimmte Form. Dies ist die tiefe Wahrheit der Existenz“.
Die Stimme war ruhig mit einer natürlichen Präsenz, die Synthesizermusik im Hintergrund tief aber unaufdringlich.
Das Ganze wurde auf eine entspannte, fast amateurhafte Weise präsentiert, was es noch glaubhafter erscheinen liess.
”Während unser Bewusstsein durch Leben, Tod und Geburt in den Zeitstrom ein– und austritt, verlieren wir die Verbindung mit allen subtileren Schwingungen der menschlichen Existenz. Wir vergessen, dass Nicht-Sein, die Leere, genauso sehr Teil unseres Daseins ist, wie das Sein. Der ganze Zweck von Meditation ist es, uns über unser multidimensionales Dasein bewusst werden zu lassen.„
Anna setzte sich auf und wurde zentriert, hörte aufmerksam zu, und ich konnte fühlen, wie die gleiche Trance auch mich überkam: es ist eine meisterhafte hypnotische Induktion. Veetman hat einen ganz feinen Akzent, und das zog mich noch tiefer hinein: Die Leere mit einem deutschen Akzent.
“Zwischen Sein und Werden, zwischen Ego und der Leere, existiert die Welt von Licht und Gedanken- von einigen die Übergangswelt genannt, von anderen die Astrale Ebene. Jene Welt hat so viel Wirklichkeit, oder Unwirklichkeit, wie die physische Ebene, ist jedoch weniger materiell, subtiler, fliessender, und vibriert mit einer schnelleren oder höheren Frequenz. Sie ist für uns weniger fühlbar, und doch als solche sehr beeinflussbar durch unsere Gedanken. Diese Welt ist aus Substanz von Gedanken gemacht- Gedanken als die ursprüngliche Form von Materie”.
Diese Aufnahme versetzt dich in die Position des Beobachters, und lässt dich nicht von dort entfliehen.
Ich kann nicht sagen, Wie nahe es dem tibetischen Original ist, dem BARDO Thodol; aber während es durch eine Beschreibung des physischen Todes führt, durch die Erkenntnis des klaren Lichts, durch den Verlust der göttlichen Natur in die Bardo-Landschaften von Visionen, Farben und Geräuschen, wird etwas immer deutlicher: die existenzielle Transformation , die es mit sich bringt. Du kehrst zu deiner ursprünglichen Natur zurück, und wirst dadurch in die Lage versetzt, alles zu akzeptieren und zu beobachten, was auch immer es sein mag.
Die Aufnahme bewirkt das Wegfallen jeglicher Angst.
Während der letzten Wochen in Annas Leben wurden die Cassetten eine tägliche Unterstützung. Wann immer sie sehr verwirrt wurde, legte sie es auf.
Diese Fähigkeit, sich selbst beinah aus eigener Entscheidung inmitten all der Angst und der Schmerzen in einen Zustand des Beobachters zu versetzen, war ungemein befreiend.
In einer Nacht nahe dem Ende hatten wir einer Cassette von Barry Long über Tod und Sterben zugehört, die mir sowohl weise als auch praktisch erschien, aber Anna sagte: „Das ist über den Tod für die Lebenden – aber die BARDO-Cassetten sind über den Tod für die Sterbenden…“.
Welche bessere Empfehlung könnte man geben?
Bilder aus Tibet