Seelisch-spirituelle Sterbebegleitung
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Seelisch-spirituelle Sterbebegleitung und - Vorbereitung

Fragen an Veetman zur Ausbildung

Wie bist du zu dieser Arbeit mit Sterbenden gekommen?

Ich habe viele Jahre als spiritueller Therapeut gearbeitet, mit Menschen, die von der Sehnsucht erfüllt waren, eine tiefere Bedeutung ihres Lebens zu erfahren, und eine ehrliche und gegenwärtige Verbindung mit der inneren Dimension des Daseins, dem Verbundensein mit dem Göttlichen. Ich war an diesem Thema seit dem Beginn meiner spirituellen Suche 1978 interessiert, fühlte mich von dem Mysterium angezogen, und wurde immer mehr davon überzeugt, dass die Menschen an der Schwelle von Leben und Tod immer tieferen Ebenen des Seins begegnen.
Ich liebe die Arbeit mit Menschen, wenn sie sich in die Tiefe des Bewusstseins bewegt. In diesem Bereich fühle ich mich wohl und in der Lage, Unterstützung anzubieten. Ich habe in den vergangenen Jahren eine tiefe Schönheit in dieser Arbeit gefunden, und sehe diese Zeit als den Lebensabschnitt an, der auch mich selbst am wesentlichsten transformiert hat. Es wird schwierig zu sagen, wer „gibt“ wer „hilft“, wenn du mit Menschen arbeitest, die im Sterben liegen.

Auch wenn Hospize noch weit davon entfernt sind, die spirituellen Dimensionen des Sterbens in die tägliche Arbeit der Versorgung am Lebensende zu integrieren, würde ich doch jedem empfehlen, der an einer tieferen Lebenserfahrung teilnehmen möchte, für einige Zeit in einem Hospiz oder einer Praxis für Sterbebegleitung mitzuarbeiten.

Wie steht deine Erfahrung in ganzheitlicher und transpersonaler Arbeit , deine extensiven Erfahrungen aus vielen Jahren mit deinem spirituellen Lehrer und der Kunst des Sterbens in Beziehung zu deinem Leben und deiner Arbeit?

Transpersonale Psychologie verbindet die Einsichten der westlichen Tiefen- und Entwicklungspsychologie mit den Einsichten der spirituellen Psychologie, wie wir sie in den Weisheitstraditionen verschiedener Religionen finden. Wir erkennen das menschliche Selbst oder „Ego“ und dehnen unsere Erkenntnis auf Dimensionen aus, die über das persönliche Gefühl des „Selbst“ hinausgehen.
Auch wenn jeder eine ganz einzigartige Reise unternimmt, bietet uns die transpersonale Psychologie eine Landkarte mit allgemein anerkannten Wegweisern in diesen inneren Landschaften.
Mein Hintergrund in spiritueller Therapie und Meditation gibt mir einen Zusammenhang, um die tiefen Transformationen zu verstehen, die ich in vielen Menschen beobachtet habe, während sie dem Tod näherkommen und sterben.

Ich sehe, wie psychologisches Leiden die Menschen der Welt entreisst, die sie gekannt haben, und dem Selbstgefühl, mit dem sie sich identifiziert hatten. In gewisser Weise könnte man sagen, dass das Leben mit einer tödlichen Krankheit ein Prozess ist, der eine Ebene nach der anderen von dem auslöscht, was wir glaubten zu sein, und uns deshalb in einem wirklicheren , essentielleren und ausgedehnterem Gefühl des Selbst leben lässt.

32 Jahre mit Meditation geben mir eine Fähigkeit, einfach mit den Menschen zu SEIN, während sie sterben, für viele Stunden in einem präsenten Zustand bei Ihnen zu sein, so nahe wie möglich teilzuhaben an dem tiefen transformativen Prozess, den sie erfahren. Ich denke, dass die am wenigsten genutzte Ressource, die wir als Menschen haben, das Geschenk der Aufmerksamkeit ist . Jeder weiss, wie wir im Licht der bedingungslosen Liebe und ungeteilten Aufmerksamkeit eines Menschen aufblühen.

Manchmal höre ich, wie jemand sagt: „Aber ich weiss nicht, was ich tun soll“. „Ich weiss nicht, was ich sagen soll“. Ich kann nur sagen: es geht nicht so sehr darum etwas zu tun oder zu sagen… es geht mehr darum, wirklich anwesend zu sein und das kostbare Geschenk deiner Aufmerksamkeit zu geben. Wahrscheinlich erlauben mir die Jahre der Meditation ,in der Gegenwart des Göttlichen anwesend zu sein, und die Tiefe jener Präsenz mit dem Sterbenden zu teilen. Manchmal fühlt es sich so an, als ob da nur ein Mensch anwesend ist, wenn ich mit einem Sterbenden bin. Und es ist wieder schwer zu sagen, wer derjenige ist, der gibt.

Durch den Segen dieser Arbeit und meine tägliche Meditationspraxis kann ich mein Leben nicht davon trennen. Sie sind ineinander verwoben, meistens auf positive gesunde Weise. Man fragt mich oft, ob die Begleitung Sterbender nicht deprimierend ist. Meine Antwort ist „Nein“ – sie ist schwierig, weil wir oft von grosser Intensität und auch Ängsten umgeben sind, aber mit jemandem völlig präsent zu sein bedeutet, an einer Verbundenheit beteiligt zu sein, die beide seelisch nährt.

Ich sehe etwas in mir selbst und auch in anderen : eine Tendenz, unsere eigenen Schmerz und Sorge nicht genug zu beachten. Es gibt einen immerwährenden Prozess , eine Balance zu finden zwischen dem gesunden Dasein für andere und einem Dasein für uns selbst. Oft, aber nicht immer, kommen sie zusammen.

Was bedeutet es, wenn du über die "Gnade im Sterben" sprichst?

Der Prozess „vom Chaos zur Hingabe und zur Transzendenz“ geht weit über die klassischen 5 Stadien des Sterbens hinaus, wie sie von Kübler-Ross beschrieben werden. Er integriert eine umfassendere Dimension zum Sterbeprozess, einschliesslich einer Untersuchung des Verlaufs und der Dynamik der Transformation im Sterben.

Wir alle bringen unsere Lebenserfahrungen , Gedanken und Einsichten, die uns genährt haben, mit uns zu jeder Erfahrung im Leben. Als ich mit der Arbeit der Sterbebegleitung begann, waren die Stadien des Sterbens von Elisabeth Kübler Ross eine wichtige Leitlinie. Dies erlaubte mir, einen tieferen Blick darauf zu werfen, was die Sterbenden erleben, wenn sie über das Stadium des Akzeptierens hinausgehen. Früher hörte ich oft , wenn ich mit einem Menschen war, der die Phase des Akzeptierens erreicht hatte: „Gut, ich weiss jetzt, dass ich sterben werde. Lass uns zum Ende kommen. Ich habe akzeptiert, dass ich sterbe. Ich möchte nicht länger herumsitzen und warten”.

Ich sah, dass da immer noch viel Angst war, und „ein gewisses Gefühl zu sterben, während ich noch lebe“. Ich erkannte, dass noch viel innere Arbeit nach dieser Phase des Akzeptierens stattfindet.
Akzeptieren ist noch immer eine Position des Ego.

Der Wendepunkt der Hingabe
    Da ist noch Bewegung möglich, machtvoll, vielleicht im Bewusstsein des letztendlichen Alleinseins und sehr wirklich, tief in eine spirituelle Hingabe, einen seelischen Standpunkt. Ich erkenne einen Wendepunkt in Menschen, wo diese überwältigende Kraft, größer als jemandes kleines Gefühl von Selbst, eine Kraft, der äußerster und furchtsamer Widerstand geleistet wurde, und die schließlich als das erkannt wird, wonach wir uns immer gesehnt haben.

     Der Wendepunkt ist der, an dem wir nicht mehr vor der Kraft unseres innersten Wesens zurückweichen und uns dafür öffnen, sie als unser tiefstes eigenes Selbst erkennen und sie mit offenen Armen willkommen heißen. Ich sehe, daß Menschen nach diesem Punkt der Hingabe ihre „spirituelle Wahrheit“ finden, und sich in einem natürlichen tiefen Frieden entspannen, als ob die Dimensionen des Göttlichen, die ihre Bewusstheit zu erfüllen beginnen, wie eine Hängematte sind, in der sie sich zurücklehnen und entspannen können, und darin große Sicherheit und Wohlbefinden erfahren. Ich sehe Menschen, die leben, während sie sterben.
Ich habe die Stadien des Sterbens in 3 aufgeteilt: Chaos ( alle Stadien, die von Kübler-Ross aufgezeigt wurden, und einige tiefe innere Geschehnisse in der Erfahrung unseres Getrenntseins und der tiefen Angst, die solche Erfahrungen von Getrenntsein immer begleiten), Hingabe und Transzendenz.

     Es gibt brilliante Einsichten von Ken Wilber und Michael Washburn in den Prozess der seelisch-spirituellen Transformation, und ich sehe, dass sie auch diese tieferen und mehr innerlichen Prozesse beschreiben, die sterbende Menschen erfahren. Zuerst hielt ich es für angemessen, zu sagen, dass unser Bewusstsein im Prozess des Sterbens die gleichen subtilen Dimensionen erfährt, erfüllt von etwas heiligem, wie es die Weisen und Mystiker während der Geschichte der Menschheit immer wieder gekannt haben. Jetzt, nachdem ich die Tür durchschritten habe, die von dieser Behauptung geöffnet wird, kann ich sagen: „Natürlich ist es so“.

Wie haben deine Erfahrungen in spiritueller Praxis deine Sicht des Sterbens beeinflusst ?
Ich habe durch die vielen Jahre der Anleitung meines spirituellen Lehrers erkannt, dass sowohl die Umstände und Konsequenzen des Sterbeprozesses als auch die von Meditation beinah identisch sind. Es geschieht ein Rückzug aus dieser Welt, ein sich nach Innen wenden, eine tiefer werdende Erfahrung von Präsenz, eine Haltung der Demut, innere Stille, und eine tiefe Erforschung und Frage nach dem wirklichen Selbst.
     Und in jeder Erfahrung, Sterben und Meditation, werden wir transformiert. In Meditation wählen wir aus, transformiert zu werden. Im Sterben werden wir ausgewählt. Beide lassen das Gefühl des Selbst über die beengende Identifikation mit dem persönlichen „Ich“ hinausgehen, dass wir immer zu sein glaubten.
                                                Meditation
                                            Meditation: Die Kunst des Lebens und Sterbens

   Wir betrachten Tod als eine Tragödie in unserem Leben. Ich sehe den Tod jetzt als eine sichere Reise, auf der Qualitäten wie Gnade natürlich entstehen.

Ich möchte daher etwas über Gnade sagen.

    Zuerst einmal ist Sterben niemals leicht. Oft ist körperliches Leiden da, auch wenn es medizinisch fast keinen Grund mehr dafür gibt. Und es ist immer seelisches Leiden da. Niemand von uns möchte gern sterben, selbst wenn der Tod eine Befreiung von lebensunwürdigen Umständen sein kann. Und die Passage von der Tragödie, die wir empfinden, wenn wir eine tödliche Prognose bekommen, bis zu der Erfahrung von Gnade, während wir an der Schwelle von Leben und Tod entlanggehen, ist schwer und oft einsam, bis wir den Punkt der Hingabe erreichen.

    Ich habe vor allem zwei Dinge beobachtet, wenn ich Menschen in ihren letzten Wochen, Tagen oder Stunden begleitet habe. Das erste ist, das Sterben schmerzlos ist. Ganz gleich wie schwierig die Zeit der Krankheit und des Abschieds von dieser Welt war, der Moment des Sterbens ist schmerzfrei.
     Die Menschen haben im Verlauf der Transformation einer tödlichen Krankheit bereits ein tieferes Bewusstsein und eine umfassendere Sicht von Leben und Sterben betreten. Ihr Wesen ist bereits von der Peripherie in das tiefere Zentrum gegangen. Viele sprechen davon, „in Gott zu ruhen“, fühlen sich „von Licht erfüllt“, und sind umgeben von der Anwesenheit bereits verstorbener geliebter Menschen oder geliebten inneren Symbolen des Göttlichen.

     Mir haben auch Menschen gesagt: „ Ich bin ganz überrascht, ich fühle ich vollkommen geborgen“. Und bei denen, die nicht reden, sehe ich eine tiefe Entspannung auf ihrem Gesicht und in ihren Körpern, wenn sie der Schwelle zwischen Leben und Tod näher kommen.

     Als ich anfangs die tiefe Entspannung in Menschen wahrnahm, die dem Tod nahe waren, wurde mir bewusst, dass ich auch andere Qualitäten in Ihnen beobachten konnte. An der Schwelle von Leben und Tod , begannen sich Qualitäten wie Rückzug, ein nach Innen gekehrt sein, ein Strahlen, ein tiefes Gefühl von Perfektion and in Ordnung sein, ein tiefes Gefühl des Wissens und liebevolle Güte, Stille, und eine Erfahrung des Göttlichen zu zeigen.

     Dies sind höhere menschliche Qualitäten, die sich gewöhnlich nicht im täglichen Leben zeigen oder in einem kleinen , verkrampften Gefühl des Selbst auftreten. Jedes ist eine Qualität eines erweiterten Bewusstseinszustands und grösseren Identität. Genau ihre Anwesenheit lässt uns das Göttliche als ihre Quelle erkennen.

Was geschieht im Sterben?
Ich möchte gern für jeden, der noch nie bei einem Tod dabei war, beschreiben, wie es ist.
Es ist etwas schwierig, das mit Worten zu tun, weil ich versuche, Momente von solcher Tiefe zu beschreiben, für die unsere Sprache nur sehr wenig Worte hat, die klar und präzise sind. Der Moment des Todes eines Menschen ist intim und völlig in der Gegenwart, ohne ein Gefühl von Vergangenheit und Zukunft. Es ist ein Gefühl, als ob plötzlich ein Fenster aufgestoßen wird, das die Ausstrahlung eines darunter liegenden ewigen Bewusstseins enthüllt, das uns schon immer erhält, aber das wir in unserem „normalen“ Wachbewusstsein immer übersehen.

     Das Göttliche, dieser multidimensionale und heilige Grund unseres Wesens, enthüllt sich uns ganz machtvoll im Moment des Todes. So wie das Gefühl von etwas Göttlichen bei einer Geburt ganz berührbar ist, der Moment, in dem ein neues Leben in eine Form eintritt, ist die Erfahrung des Göttlichen auf überwältigende Weise beim Tod gegenwärtig, dem Moment, in dem Leben eine Form verlässt. Die Qualität des Lichtes ist verschieden, die Qualität des Seins ist verschieden.

    Es ist ein Moment, der sowohl unaussprechlich wie auch unvergesslich ist, unser Bewusstsein vertieft und erweitert, uns mit einer Gnade erfüllt, und uns hilft, die Verkrampfung zu lösen, die wir immer unser „Ich“ genannt haben, und uns in unser Essentielleres Sein zu entspannen.
Dies ist die zweite ständige Beobachtung im Sterbeprozess: Sterben ist die reichste, schönste und machtvollste spirituelle Gelegenheit einer ganzen Lebenszeit, ganz gleich ob der /die Sterbende jemals eine spirituelle Richtung verfolgt oder sich jemals nach dem Göttlichen gesehnt hat.

    Oft werde ich gefragt: Habe ich im Licht meiner Erfahrungen mit Sterbenden noch Angst vor dem Sterben ? Wie bereite ich mich auf meinen Tod vor?
    Wir sind alle multidimensionale Wesen, und ich bin noch immer „in Arbeit“. In dem Ausmaß, in dem ich mich noch mit dem Körper, den Gedanken, dem Ego, mit Wünschen und Ängsten identifiziere; in dem Ausmaß, wie ich noch am Bekannten und bequemen festhalte, und aus den Überzeugungen des Getrenntseins handele, genau in dem Maße habe ich noch Angst vor dem Sterben, oder genauer gesagt vor der Phase des Chaos, und wie ich damit umgehen werde. Das ist ein Teil von mir.

    Es gibt noch einen anderen Teil. Ich habe viele Erfahrungen einer göttlichen Präsenz in meinem Leben gemacht, habe wesentliche Zeitspannen in der Umgebung meines spirituellen Lehrers Osho verbracht, und bin sicherlich gesegnet durch viele Gelegenheiten, beim Sterben anderer Menschen anwesend zu sein. Ich habe die Gnade des Göttlichen durch Erfahrungen des Sterbens , der Hingabe und durch Liebe anderer Menschen erfahren, meine tiefen seelischen Wunden sind dadurch geheilt worden, ich habe viel Zeit meines Lebens in der wachen Umgebung mehrerer erwachter Menschen verbracht, und ich habe durch innere Entschlusskraft und Verstehen eine innere Stille gefunden, in die ich jederzeit eintauchen und dort meinen Zugang zu göttlichen Frieden und Intelligenz finden kann.

     Diese Gnade wächst weiter in mir, und in diesem Maße wächst das Vertrauen, dass ich mich bei meinem Tod in das Göttliche hinein loslassen kann, so wie ich es viele Male mitten im Leben und im Moment des Todes anderer erfahren habe. Ich fühle mich trotz aller oben beschriebenen Ängste des kleinen „Ich“ geborgen in diesem Bewusstsein.

     Osho, ein Mystiker unserer Zeit, beschreibt es so: Im dem Moment, in dem die Welle erkennt, dass sie ein Teil des Ozeans ist, verschwindet alle Angst vor dem Tod, vor der Hingabe an das Ozeanische.

    Meine Absicht für mein Leben und mein Sterben ist es, immer gegenwärtiger und wacher in der Präsenz des Göttlichen zu leben. Tägliche Meditation und die Bereitschaft, alles sterben zu lassen, was ein Gefühl des Getrenntseins von meiner geliebten Partnerin, von allen Menschen und vom Leben in all seinen Formen und Herausforderungen erzeugt.

Wie kann der Tod ein Lehrer für unser Leben sein und ein Gefühl des Göttlichen in unser Leben zurückbringen?

     Die oben beschriebene mögliche Gnade im Sterben, die sich in der Öffnung spiritueller Dimensionen im Moment des Todes zeigt, kann uns viel über die Gnade im Leben lehren.
Diese göttlichen Dimensionen sind als Unterströmung immer da, und durchdringen immer und an vielen Stellen unser Leben. Viele von uns fühlen intuitiv, dass wir von dieser Präsenz des Göttlichen umgeben sind, und wir sehnen uns danach. Jedoch erscheint es uns, als ob wir hier in unserer Kultur den Schlüssel dazu verloren haben.

Wir verbringen unser Leben so leichtsinning an der Oberfläche. Jemand sagte mir einmal: „Ich habe mein ganzes Leben so gelebt, als ob ich bei einer Kostümprobe wäre. Aber Sterben ist sehr wirklich.“ Sterben lenkt unsere Aufmerksamkeit fort von den Ablenkungen an der Peripherie des Lebens und sammelt sie im Zentrum unseres Wesens. Wachsamkeit ist der Schlüssel, und eine nach innen gerichtete Aufmerksamkeit ist das Tor. Sterben bringt uns dahin, Meditation bringt uns bereits dahin, während wir leben.

Ein kollektiver Evolutionsprozess

Ich sehe es so, dass wir uns kollektiv in einem überwältigenden Evolutionsprozess befinden, in dem uns unsere wachsende Bekanntschaft mit den spirituellen Dimensionen des Todes die Augen für die Gnade im Leben öffnet, für die machtvolle Präsenz des Göttlichen in jedem Atemzug , die für alle verfügbar ist. Ist es nicht ironisch, dass wir leben lernen, indem wir lernen zu sterben? Irgendeine Tradition sagt uns , dass „Gott immer in Sichtweite verborgen war“

Was kann die Erfahrung des körperlichen Todes , das Ende des Lebens in körperlicher Form, uns über die vielen „kleinen Tode“ lehren, die wir auf dem Weg erfahren müssen?
     Kein Mensch geht völlig ungeschoren durch dieses Leben. Es gibt einen Teil in uns, der in seiner Idee des Getrenntseins und seiner daraus resultierenden Angst, jede Veränderung als eine Bedrohung empfindet. Der Verlust eines Traumes, der Tod eines geliebten Menschen, Missverständnisse, Enttäuschungen, schwere Aufgaben und Herausforderungen konfrontieren jeden an einem Punkt. Und, obwohl dieser Prozess während des Todes unserer physischen Existenz so gewaltig verstärkt wird, dass wir es uns in unserer (vorübergehenden) Gesundheit gar nicht vorstellen können, erfordert doch auch jeder dieser „kleinen Tode“, dass wir unser Bewusstsein über die angenehme Schwelle des Bekannten ausdehnen, und das kleine Selbst, das wir zu sein glaubten, sterben lassen, und mit etwas grösserem Bewusstsein daraus hervorkommen.

     Jede transformative Erfahrung hat die gleichen Elemente. Jede transformative Erfahrung bringt die Herausforderungen von Chaos, Hingabe und Transzendenz mit sich. Jeder Punkt von Transformation ist für uns zuerst einmal schwierig. Chaos ist das, was wir psychologisch erfahren, wenn wir dem Unausweichlichen Widerstand leisten. Wir neigen dazu, am bekannten festzuhalten.

     Besonders wenn wir auf der Ebene des mentalen Ego festhalten, was die meisten von uns tun, glauben wir, dass wir dieses gewöhnliche Wachbewusstsein und die persönliche Geschichte sind, die wir darin erschaffen haben. Es erfordert Mut, auf den Ruf des Lebens zu antworten , endlos zu sterben, und jeder Mensch , dem wir auf der Straße begegnen, oder an dessen Bett wir sitzen, erfordert unser tiefstes Mitgefühl und Respekt.

    Das Baby, das wir waren, ist gestorben, das Kleinkind ist gestorben, der Heranwachsende und der junge Mensch , der wir waren, sind gestorben. Dieser reifere Erwachsene mit seinem Ego wird auch sterben müssen. Trotz des Kampfes und Widerstands im Chaos, und ironischerweise genau wegen des Kampfes und Widerstands gegen das Chaos, erfahren wir Hingabe und erfahren wir Transzendenz. Wir kommen durch jeden „kleinen Tod“, der völlig gelebt/ völlig gestorben wurde, dahin, innerlich zu wissen, dass jeder Abschied ein Wiedersehen ist, jeder Ausgang ein Eingang, jedes Austamen ein Tod und jedes Einatmen eine neue Geburt ist.

Wie war der Tod ein Lehrer in deinem Leben?

     Ich bin dabei, ein ganzes Buch mit dieser Antwort zu füllen. Der Tod hat mich die wichtigsten Lektionen meines Lebens gelehrt. Er hat mich Verzeigen gelehrt, Dankbarkeit, Geduld, meinem tiefen Wunsch nach umfassender Liebe zu folgen, und alles sterben zu lassen, was dem im Weg stand, und über die immer anwesende Gnade des Göttlichen, die in Hingabe und Stille erfahrbar ist.

     Verzeihen befreit uns sofort, lässt uns weiter werden, erlaubt uns , das Alte, Gewohnte und damit unechte und nicht lebensfähige in uns sterben zu lassen, und in einer tieferen Liebe wiedergeboren zu werden.

     Dankbarkeit ist der ständig verfügbare Schlüssel zum Königreich, den wir haben.
     Wenn wir uns in Dankbarkeit öffnen, ist das in uns, was das Gute anerkennt , für das wir dankbar sind, auch das Gute in uns selbst, und nur das kann das Gute erkennen. Wir sehen in einen Spiegel. Dankbarkeit und Gnade haben ihre Wurzeln in der gleichen Quelle, und das ist das Göttliche.

    Der Tod hat mich gelehrt, dass wir alle im Bewusstsein miteinander verbunden sind, egal ob wir uns dessen bewusst sind oder noch nicht. Ob wir in einem Körper sind oder nicht, in Liebe sind wir immer in jedem Moment in einer Gemeinsamkeit. Und schließlich habe ich vom Tod gelernt, dass wir, obwohl wir uns für dieses kleine getrennte Selbst halten, immer vom Göttlichen durchdrungen sind, von anderen Dimensionen als dieser von Körpern, Formen, und Worten, erfüllt mit Tiefe, etwas Heiligem, und dass unser Zugang zu diesen genau so nahe ist wie das Bewusstsein des gegenwärtigen Moments.
Das in uns, was all dies sieht, ist genau das, wonach wir suchen.

Warum haben Menschen so viel Angst vor dem Sterben, und sogar davor, über ihren Tod nachzudenken?


Wie können sie ihre Einstellung ändern und sich mehr öffnen für das „Unbekannte Gelände“ , dem sie in ihrem Tod begegnen werden?

    Wir leben in dem Ausmaß in Angst vor dem Tod, in dem wir Kontakt mit unserem essentiellen Wesen verloren haben. Wir haben Angst vor dem Sterben, weil wir vergessen haben, wer wir wirklich sind. Unsere Angst vor dem Tod verringert sich, wenn wir lernen, täglich zu sterben, wenn wir in unserer Meditationspraxis oder im Gebet oder durch tägliche Übung der Hingabe an das Göttliche das kleine begrenzte Selbst sterben lassen und das eine Leben betreten, ein weiteres, tieferes Bewusstsein. Dieses „unbekannte Gelände“, das wir im Tod betreten, ist die Landschaft unserer Seele, während sie sich im Göttlichen auflöst. Wir können diese Landschaft mitten im Leben ,als auch an der Schwelle zum Tod, erforschen und erfahren

Welche Veränderungen hast du in unserem kollektiven Verstehen über Tod und Sterben beobachtet?
Wohin, glaubst du, führt uns das?

     In den letzten 10 Jahren hat sich das Bild unserer Kultur über Tod und Sterben von der Vorstellung von Dunkelheit zur Vorstellung von Licht verändert. Dies ist eine dramatische Verschiebung mit grossen Implikationen, denn die Überzeugungen einer Gesellschaft formen ihre Einstellungen und Verhaltensweisen. Ich sehe es so, dass wir die mentalen Gedankengebäude lockern, die wir im Bezug auf den Tod hatten, so wie der Prozess des Sterbens selbst unsere mentalen Konstruktionen auflockert und uns erlaubt, uns in einer grösseren Vision und in tieferem, subtilerem Bewusstsein auszudehnen.
     Ich denke, dass unsere wachsende Vertrautheit mit dem transformie-renden Potential des Todes, mit dem Bewusstsein, dass Sterben wohl viel mehr ein spirituelles Ereignis ist als ein medizinisches Ereignis, uns erlauben wird, uns einander im Leben und im Sterben mit weniger Angst und mehr Klarheit näherzukommen, mit weniger Oberflächlichkeit und mehr Tiefe, mit weniger Distanz und größerem Mitgefühl.

     Stell dir vor, wie anders die Betreuung alter und sterbender Menschen wäre, wenn es eine offen anerkannte Erkenntnis wäre, dass der Tod der spirituelle Höhepunkt eines ganzen Lebens ist, die am ehesten verfügbare Tür zur Erfahrung des Göttlichen und unserer wahren Natur?
  
  Der Tod ist das Tor zur Erfahrung des Friedens und der völligen Einheit mit dem Ganzen.

Warum bieten wir spirituelle Begleitung und Unterstützung für die Sterbenden an?


Falls der Sterbende etwas offen ist, seinem Tod ins Gesicht zu sehen, und sein Leben vor dem Tod anzuschauen, kann er sein ewiges Wesen leichter erkennen als zu irgendeiner anderen Zeit im Leben- denn es gibt keine Zukunft mehr, keine Hoffnungen und Illusionen- es gibt nur noch die Realität, Moment zu Moment, und die Dringlichkeit im Herzen, etwas zu erkennen, was nicht sterblich ist. Sterbende sind oft sehr bereit, ihre seelischen Schmerzen zu heilen, ihre Angelegenheiten zu erledigen, denn im Angesicht des Todes wird Liebe die wichtigste Qualität. Unsere Arbeit ist nur die, bedingungslos präsent zu sein, mit Liebe und Mitgefühl und Ehrlichkeit.


Das ist es, was der Sterbende am meisten braucht: Mut und Unterstützung, um in sein Herz zu gehen, um die Identifikation mit Körper und Persönlichkeit loszulassen. Dann kann man leicht einen heilenden Tod sterben, denn das Bewußtsein, die Seele eines Menschen, kennt diese Realität. Unsere innere Arbeit ist es, "das was nicht stirbt", in unserem Herzen zu erkennen. Wenn jemand so in Frieden stirbt, ist das ein Geschenk für alle Anwesenden. Wir können unser eigenes unsterbliches Wesen spüren, wenn wir beim Tod eines Menschen dabei sind, der in tiefem Akzeptieren und im Vertrauen stirbt.

 

Dissolving into existence

 

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Antworten auf persönliche Fragen
über Leben, Sterben, Trauer und
spirituelles Wachstum


Veetman
Veetman Masshöfer

 

Die Fragen

Wie bist du zu dieser Arbeit
mit Sterbenden gekommen?


Wie steht deine Erfahrung in ganzheitlicher und transpersonaler Arbeit , deine extensiven Erfahrungen aus vielen Jahren mit einem spirituellen Lehrer und der Kunst des Sterbens in Beziehung zu deinem Leben
und deiner Arbeit?

Was bedeutet es, wenn du über die "Gnade im Sterben" sprichst?

Welches ist der Wendepunkt zur spirituellen Transformation im Sterben?

Wie haben deine Erfahrungen in spiritueller Praxis deine Sicht des Sterbens beeinflusst ?

Was geschieht im Sterben?

Hast Du im Licht deiner Erfahrungen
mit Sterbenden noch Angst
vor dem Sterben ? 
Wie bereitest du dich auf
deinen Tod vor?



Wie kann der Tod ein Lehrer für unser Leben sein und eine Erfahrung des Göttlichen in unser Leben zurückbringen?


Was kann die Erfahrung des körperlichen Todes , das Ende des Lebens in körperlicher Form, uns über die vielen „kleinen Tode“ lehren, die wir auf dem Weg erfahren müssen?


Wie war der Tod ein Lehrer
in deinem Leben?




Warum haben Menschen so viel Angst vor dem Sterben, und sogar davor,
über ihren Tod nachzudenken?
Wie können sie ihre Einstellung ändern und sich mehr öffnen für das „Unbekannte Gelände“ , dem sie in ihrem Tod begegnen werden?



Welche Veränderungen hast du in unserem kollektiven Verstehenüber Tod und Sterben beobachtet?
Wohin, glaubst du, führt uns das?



Warum bieten wir spirituelle Begleitung und Unterstützung für Sterbende an?

Persönliche Fragen
und Antworten
über Leben und Sterben

 

 

Schmerz kann uns viel lehren. Schmerz ist ein gegebener Teil unseres Lebens, aber psychologisches Leiden kommt vom Widerstand gegen den Schmerz.



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