Veetman, bitte beantworte uns einige Fragen:
Warum bietet Ihr diese Ausbildung
an?
Weil
das Thema Tod und Sterben das letzte Tabu in unserer Gesellschaft war, und jetzt
aus dem Versteck kommt. Weil vielen Menschen bewußt wird, daß die Vorbereitung
und die Sorge für einen würdevollen menschlichen Tod vernachlässigt worden sind
und daß die Sterbenden eine liebevolle und mitfühlende Betreuung am Ende ihres
Lebens verdienen.
Und zweitens, weil das Mysterium von Leben und Tod viel Interesse
im menschlichen Bewußtsein wachruft, während das kollektive Bewußtsein sich langsam
erweitert, und die spirituellen Dimensionen des menschlichen Daseins erkennt.
Die alten Werte und äußerer Komfort werden für unsere Gesellschaft immer enttäuschender.
Das erwachende Bewußtsein öffnet sich dafür, Tod und Sterben wieder zu einem wichtigen
Teil des menschlichen Lebens zu machen, so wie es in großen spirituellen Kulturen
der Vergangenheit immer der Fall war.
Alle spirituellen Lehrer machen uns klar, daß der Tod ein
natürlicher Teil des Lebens ist, und daß wir es uns nicht leisten können, die
Bedeutung der Vorbereitung auf das Sterben zu vernachlässigen.
Die innere Qualität unseres Todesmomentes bestimmt
unsere weitere Evolution, und die Qualität unseres Lebens hängt davon ab, wie
frei wir von der Angst vor dem Tod sind, denn nur ein angstfreier Mensch kann
völlig bewußt sein, und ein erfülltes Leben in Schönheit und Bewußtsein führen.
Wir erkennen alle mehr und mehr, daß unser Leben voller Angst ist, Unglück, und
Leiden, weil wir nicht mehr natürlich und in Freude leben. Und das läßt uns den
Tod noch mehr fürchten, weil wir wissen, daß wir unserem leeren Leben gegenüberstehen,
wenn wir sterben.
Dies erzeugt tiefe Angst in uns. Der einzige intelligente Weg
ist der, unserer Sterblichkeit in die Augen zu schauen, dem Tod, und uns darauf
vorzubereiten, so daß unsere Ängste verschwinden in der Fülle und Intensität unseres
Lebens, durch Meditation und inneres Wachstum.
Warum heißt es "Begleitung in einen heilenden Tod"? Ist das nicht ein Widerspruch in sich?
Im Training erfahren wir, daß es möglich ist, mit einem Gefühl
der Erfüllung zu sterben, dem Einssein: wenn wir unser äußeres Leben abgeschlossen
haben, wirkliches Verzeihen gefunden haben, und unsere Angelegenheiten mit
anderen in Liebe abgeschlossen haben. Dann finden wir im Herzen einen tiefen Frieden mit uns
selbst über unser Leben. Wenn wir ein Akzeptieren und sogar Feiern unseres Todes
gefunden haben, was nur möglich ist, wenn wir unser unsterbliches Wesen gefunden
haben, durch Liebe und Meditation. In diesem Zustand stirbt jemand einen heilenden
Tod, weil da keine Angst mehr ist, sondern nur Liebe und Dankbarkeit. Und dann,
selbst wenn der Körper stirbt, kann man sagen, daß das essentielle Wesen des Menschen
geheilt ist, weil er zu seiner ursprünglichen Natur zurückgefunden hat, und in
Harmonie von Herz und Seele stirbt. Viele Menschen sind auf diese Weise gestorben
- in Ganzheit und tiefer Dankbarkeit in ihrem Herzen - weil sie sich darauf vorbereitet
hatten, und sie ihr ewiges Leben in ihrem Herzen erkannt haben, solange sie dazu
noch Zeit und Wachheit genug hatten.
Warum
bieten wir spirituelle Begleitung und Unterstützung für die Sterbenden an?
Falls der Sterbende etwas offen ist, seinem Tod ins Gesicht zu sehen, und
sein Leben vor dem Tod anzuschauen, kann er sein ewiges Wesen leichter erkennen
als zu irgendeiner anderen Zeit im Leben- denn es gibt keine Zukunft mehr, keine
Hoffnungen und Illusionen- es gibt nur noch die Realität, Moment zu Moment, und
die Dringlichkeit im Herzen, etwas zu erkennen, was nicht sterblich ist. Sterbende
sind oft sehr bereit, ihre seelischen Schmerzen zu heilen, ihre Angelegenheiten
zu erledigen, denn im Angesicht des Todes wird Liebe die wichtigste Qualität.
Unsere Arbeit ist nur die, bedingungslos präsent zu sein, mit Liebe und Mitgefühl
und Ehrlichkeit. Das ist es, was der Sterbende am meisten braucht: Mut und Unterstützung,
um in sein Herz zu gehen, die Identifikation mit Körper und Persönlichkeit loszulassen.
Dann kann man leicht einen heilenden Tod sterben, denn das Bewußtsein, die Seele
eines Menschen, kennt diese Realität. Unsere Arbeit ist es, "das was nicht stirbt",
in unserem Herzen zu erkennen. Wenn jemand so in Frieden stirbt, ist das ein Geschenk
für alle Anwesenden. Wir können unser eigenes unsterbliches Wesen spüren, wenn
wir beim Tod eines Menschen dabei sind, der in tiefem Akzeptieren und im Vertrauen
stirbt.
WAS IST DER UNTERSCHIED ZWISCHEN DEM ERSTEN UND DEM ZWEITEN
TEIL DER AUSBILDUNG?
Im ersten Teil geht es mehr um unseren
eigenen Tod, unsere Vorbereitung darauf, mit Meditation, Bewußtheit, Mitgefühl
für uns selbst und andere, und den entstehenden Mut, unser Leben in Erfüllung
zu leben. Wir erkennen, daß Liebe und Bewußtheit die wichtigsten Dinge in Leben
sind. Auch lernen wir Wege, andere in ihr Herz zu führen, ins Verzeihen und Abschließen
ihres Lebens, und in tiefe Entspannung und Meditation. Wir erfahren und verstehen die Stadien
des Sterbens. Natürlich müssen wir zuerst unsere eigenen Ängste und Illusionen
über den Tod verstehen und auflösen, bevor wir jemandem helfen können, ihrem Tod
gegenüberzutreten, ihrem Schmerz und Alleinsein.
Im zweiten Teil geht
es um die Stadien des Sterbens, die Arbeit mit Angst vor Schmerz, Verlust und
Alleinsein, dem Loslassen von Verlangen und Festhaltenwollen, so daß der Sterbende
angstfrei in den Tod geht, und den Tod als einen natürlichen Teil des Lebens erkennt.
Wir gehen tief in die Qualität von ehrlichem Mitgefühl, die Transformation von
Angst und Schmerz durch unser Herz, wir lernen, wie wir den Sterbenden respektvoll und klar begleiten können, so daß er mit
Bewußtheit und Entspannung in den Tod des Körpers hinein gehen kann; weil wir
verstehen, daß unser wirkliches Wesen niemals stirbt.
Wir arbeiten mit Trauer,
Beratung für die Angehörigen und Freunde, für die Begegnung mit Ärzten und der
Familie, um eine Atmosphäre für einen bewußten Tod zu erschaffen. Und wir finden
Antworten auf die Frage: Welche Meditationen können wir für uns selbst anwenden,
wenn ein Freund gestorben ist? Wir geben in der Ausbildung auch die neuesten Informationen über Palliativmedizin.
FÜR WEN IST DIE AUSBILDUNG RELEVANT?
Es ist bedeutungsvoll für jeden, der die Bewußheit des Todes als eine Erinnerung
daran nutzen möchte, jetzt zu leben, bewußt und liebevoll, und eine liebevolle Bewusstheit in sein/ ihr
tägliches Leben zu bringen. Nichts sonst macht uns die Dringlichkeit klarer, uns
selbst zu erkennen, während wir dazu noch gesund und energetisch genug sind.
Natürlich
ist das Training auch für alle relevant, die mit Kranken und Sterbenden arbeiten,
Krankenpfleger, für alle, die mit Trauer und Verlust arbeiten oder selbst davon
betroffen sind.
Und natürlich für diejenigen, die ihre Eltern, Kinder oder Partner
begleiten wollen, wenn sie auf den Tod zugehen. Nichts kann ein größeres Geschenk
für die sein, die wir lieben, als ihnen beizustehen, sie liebevoll zu begleiten
und zu ermutigen, wenn sie auf das Ende ihres Lebens zugehen, besonders wenn sie
große Schmerzen erleiden müssen. Sie brauchen jemanden, der mit Schmerz und Leiden
umgehen und ihnen helfen kann, das Leben mit Liebe, Mitgefühl und wirklichem Verstehen
loszulassen.
Nichts kann uns in unserem inneren Wachstum mehr helfen als
mit Sterbenden zu sein, denn es läßt uns unseren eigenen Tod anschauen, erinnert
uns daran, tief lebendig zu sein, jetzt zu leben; es läßt unser Herz öffnen, und
es läßt uns die wirklich bedeutenden Dinge im Leben erkennen: Liebe und Bewußtheit.
Diese spirituelle Arbeit mit Sterbenden ist relativ neu in unserer Gesellschaft,
die erst jetzt langsam erkennt daß Sterbende Hilfe und Unterstützung brauchen,
und daß wir alle mit Würde und Liebe sterben möchten. Jeder kann diese Arbeit
tun, weil es eine private Dienstleistung ist, und nicht vom Gesetz verboten werden
kann. Die große Nachfrage zeigt, daß mehr Menschen auch das Ende ihres Lebens
als eine sehr wichtige Zeit erkennen, und sie brauchen Menschen, die ihnen helfen
können, mit ihrer Liebe und ihrem Mitgefühl, die den Mut haben, sie zu begleiten,
und ihnen helfen können, sich auf einen bewußten und angstfreien Übergang in den
Tod vorzubereiten, so daß sie mit offenem Herzen und in Dankbarkeit für ihr Leben
sterben können.
Im Hintergrund unserer Arbeit wollen wir die völlige Verneinung
des Themas STERBEN herausfordern, die in unserer Gesellschaft herrscht.
Wir haben
alle ein großes Interesse daran, so zu tun, als ob wir nicht sterben müssen. Wir
leben alle mit verschlossenen Augen und tun so, als ob der Tod nicht existiert,
oder nur anderen geschieht. Denn wir wollen unser unbewußtes Leben nicht verändern,
und der Tod macht uns bewußt, daß unser Leben letztendlich leer und bedeutungslos
bleibt, daß am Ende uns alles wieder fortgenommen wird, was wir erkämpft und erreicht
haben. Ein intelligenter Mensch wird nicht weiter unbewußt leben, denn er/sie
wird nach der Bedeutung unseres Lebens fragen.
Unsere Gesellschaft basiert
darauf, daß wir alle das Sterben verleugnen, denn wer wird weiter nach unwichtigen
Dingen streben, wenn wir zugeben, daß wir alles wieder verlieren, wenn wir sterben?
Und nur jemand, der mit dieser Bewußtheit lebt, kann frei sein- denn er/sie wird
nicht länger von den Werten einer Gesellschaft kontrolliert, die nur Gehorsam
will, keine rebellischen lndividuen. Ein Rebell wird sich gegen alles auflehnen,
was seine Individualität eingrenzt, und sein Recht, verantwortlich und erwachsen
zu sein. Dies ist der Boden, auf dem wirkliches, spirituelles Leben blühen kann,
und auf dem wir uns dem Thema TOD mit einer neuen Vision annähern können.
Ein Mystiker unserer Zeit, Osho , sagt, daß der Moment des Todes
eine Feier sein kann.
Dies fordert alle alten religiösen Konditionierungen heraus,
die beinhalten, daß der Tod etwas ist, was verneint und unterdrückt werden muß.
Und alle etablierten Religionen halten uns in Angst, in Schuld und Gehorsam. Wir
sind alle vom Christentum und ihrer Politik von Schuld und Angst beeinflußt, und
wir tragen dies in unserem kollektiven Unbewußten mit uns. Der erste Schritt ist
also, uns von diesen Dingen zu befreien- oder wir werden weiterhin unseren Tod,
unser Altern, und den Tod unserer Lieben aus Angst verdrängen. Und wenn der Tod
kommt, werden wir von Ärger, Verzweifelung, Bedeutungslosigkeit und Frustration
überrollt - wenn wir erkennen, daß unser Leben leer geblieben ist, und daß wir
unser Leben in sinnlosem Kampf und mit unwichtigen Dingen verschwendet haben.
Die Menschen sterben so, wie sie gelebt haben. Der Sinn von Meditation, die auch
die Bewußtheit des Todes einbezieht, liegt darin, uns das Potential erkennen zu
lassen, daß wir alle in uns tragen: bewußte und liebevolle Menschen zu sein, in
Einklang mit der Natur und in tiefer Achtung vor dem Leben. Der Tod erinnert uns
daran, daß wir die Wahl haben, und die Verantwortung, unser Leben entweder in
Angst, Leiden und Unbewußtheit zu leben, oder in Bewußtheit, Liebe und Dankbarkeit
für unser Dasein.
Wir alle stehen einer globalen Krise gegenüber, politisch, sozial,
ökologisch, dem Thema Tod und menschlichem Leiden, die uns alle auf eine Weise
beeinflussen, weil wir erkennen, daß Leben Veränderung und Unsicherheit bedeutet,
und daß es keine wirkliche äußere Sicherheit gibt. Meditation und tiefe Achtung
vor dem Leben sind die einzigen Antworten für diese Situation.