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Die Erforschung des Selbst im Sterbeprozess

Unser Ich-Gefühl, das Gefühl der Identität, unterliegt tiefen und unnachgiebigen Veränderungen im Verlauf einer tödlichen Krankheit, im Sterbeprozess, und auch in einer Bewusstseins- Transformation des "spirituellen Erwachens" während unserer Lebenszeit.

Interessen an den Ablenkungen der Oberfläche verschwinden, und der Fokus richtet sich auf das Zentrum des Seins an sich.

In diesem unerforschten Territorium transformiert sich die Identität, in Schritten und Sprüngen, vom Individuellen zum Absoluten, fast immer auf schmerzhafte und oft auf ungewohnte Weise. Mystiker unserer Zeit beschreiben insbesondere die Erforschung des Seins als ein Gefährt umfassender Transformation. Das " besondere Hilfsmittel" , das wir selbst als Teil unseres Lebens und in der Begleitung Sterbender praktizieren, ist die andauernde Haltung des ehrlichen Erforschens.

Es ist die ständige innere Frage "Wer bin ich?"
.
Audioclip |  " Wer bin ich? Wer stirbt?"

Dieser Vorgang beinhaltet sowohl aufmerksame wache Erforschung als auch das Beenden aller bisherigen gedanklichen Vorstellungen und Überzeugungen. Die Idee des "ich", dieses Gefühl von persönlicher Identität und persönlichem Weiterbestehen, wird das Objekt der Erkundung und Nachforschung.

Im ständigen wachen Wiederholen dieser Frage geschieht eine Verschiebung der Bewusstseinsebenen zusammen mit Veränderungen in der Qualität der Aufmerksamkeit, die dem Selbst verfügbar ist. Die Wachsamkeit wird zunehmend klarer und umfassender. Dieser Prozess wird während der Erfahrung des Sterbens bei den Menschen intensiviert, die bereits im Leben erkannt haben, dass sie nicht wissen, wer sie wirklich sind, weil die Illusion der gedachten Persönlichkeit für die spirituelle Intelligenz erkennbar wird.

Zuerst sind die Antworten auf die Frage " Wer bin ich ?" die einfachen und automatischen Entgegnungen, an die wir uns während der Jahrzehnte des "Identitätsprojekts" (1) des mentalen Ego(5) gewöhnt haben.
Während diese Identitäten -meist Aspekte der geschlechtlichen Identität als Mann oder Frau, Errungenschaften, soziale Rollen und Verbindungen- sich angesichts der täglichen Beleidigungen verringerter Aktivitäten mehr und mehr auflösen, entfaltet sich hier die erste Bewegung über das mentale Gebäude des "Ich" hinaus. Die Antwort auf "Wer bin ich?" wird mit stammelnder Verwirrung, Unsicherheit und Chaos gegeben.

"Wer bin ich denn noch , wenn ich dies... nicht mehr bin, oder dies...nicht mehr tun kann?" Diese Frage höre ich mit verschiedenen Formulierungen oft an der Seite eines Sterbenden.

Wenn ich unfähig bin, weiterhin vorwärts zu schauen, wenn es keine Zukunft gibt, nirgendwo mehr hinzugehen, ist dieses "Wer bin ich " gefangen und erschrocken wie ein Verdächtiger in einem Verhör, dem blendenden Licht und den Augen aller ausgesetzt. Eine Zeit der Stille ereignet sich, ein Innehalten. Die weitere Bewegung im Zurücklassen des mentalen Ego (4) scheint Licht auf die nächste Antwort auf die Frage "Wer bin ich?" Die Antwort ist ein grosses Fragezeichen. Dies ist unser ehrliches Bekennen, das wir überhaupt nichts wissen.

Nicht-Wissen ist gut. Es ist die Situation, in der wirkliche Weisheit entstehen kann. Weil es keine festen Vorstellungen mehr gibt, wird alles so wahrgenommen, wie es ist. Aus diesem Nicht-Wissen steigt plötzlich oder langsam die nächste Antwort auf die Erforschung des Selbst auf. Die Illusion zerplatzt, und die Wirklichkeit scheint durch die Löcher und Ritzen.


Dies ist "Das Erwachen aus dem Traum", von dem ich im BARDO- Prozess (6) spreche.   CD Set BARDO- Erwachen aus dem Traum

Hier geschieht grosse Klarheit und die "unaussprechliche Erkenntnis, wer ich bin". Es ist eine "Befreiung aus dem Gefängnis meiner Subjektivität", wie es viele Weisheitstraditionen nennen.

Ich fragte einmal einen Sterbenden kurz vor seinem Tod, was er glaube, was nach seinem Tod geschähe. Er sagte, er glaube, dass er nach seinem Tod aus seinem Körper austreten und in einem Raum von tiefstem Frieden gehen würde. Ich sagte ihm , wie es mich berührte, dass er erkannt hatte , das er nicht sein Körper sei. Er warf mir einen scharfen Blick zu und sagte: " Für wie dumm hältst du mich eigentlich ?"

Diejenigen, die sterben oder weit auf dem Weg der Transformation gegangen sind, fragen sich oft, wer das war, der sie dort auf den Fotos aus glücklicheren, gesünderen Zeiten ansieht, wer das war, der Parties gegeben hat, oder leidenschaftlichen Sex hatte, oder stolz darauf war, für die Familie zu sorgen - frühere Bilder des Selbst, die dahinschwinden wie saftige Pflanzen in einer lang anhaltenden Dürrezeit. " Wer ist das, der mich jetzt aus dem Spiegel anstarrt". "Wer ist dies kahlköpfige Skelett". " Wo ist die Schönheit, die einst die Aufmerksamkeit vieler Männer auf sich zog?. " Wo ist der Turm von Stärke, dem alle Respekt zollten?".
Oder einfach " Wer bin ich jetzt?".


Und doch ist da noch immer ein Gefühl der Kontinuität. Irgendwie ist dies das gleiche "Wer", das jetzt gefüttert werden muss oder dem die Windeln gewechselt werden müssen.

In diesem Zustand gaben mir viele bleiche, geschwächte und oft kahlköpfige Menschen Fotos von sich selbst aus Zeiten, als es ihnen gut ging. Ich schaue auf die Fotos und wieder in ihre Augen , die wortlos Bände von ungläubiger Angst, Traurigkeit und Bitten um mehr Lebenszeit sprechen. Ich habe viele Variationen des Themas dieser zwei Fragen gehört: " Werden sie mich, der ich jetzt bin, noch genug lieben, um bei mir zu bleiben und für mich sorgen". " Werde ich die Erfahrung aushalten können, bis zum Ende geliebt und umsorgt zu werden?".

Hier geschieht oft die tiefste Phase von Selbstmitleid, Selbstbeschuldigung, Selbstzweifel, Selbstsucht und Selbstbetrauerung.

Jeder Moment, den man sein Selbst befragt" Wer bin ich?", ist eine Fallgrube, solange bis die Identität des mentalen Ego schliesslich durch die innere Haltung der Hingabe endgültig entwurzelt ist. Das mentale Ego, die Überzeugung eines getrennten Selbst, hat eine eigene Schwerkraft, die es in immer tiefere Ebenen des Selbst fallen lässt, durch die erste Dualität (2) hindurch in den Eintritt in das Einheitsbewusstsein.

Der Unterschied zwischen der Qualität einer kontrollierenden, isolierenden Haltung des mentalen Ego und der hingebungsvollen, anteilnehmenden Qualität eines "ganzen" Wesens in der Transformation des Sterbens wird hier deutlich erkennbar.

Während eine tödliche Krankheit oder der natürliche Alterungsprozess uns dem Tod näherbringt, beginnen viele Menschen bewusst oder unbewusst eine Lebensrückschau.

Dies ist eine anscheinend universelle Zeit des Nachdenkens, über die Bedeutung und den Wert dieses kurzen Aufenthaltes auf dem Planeten Erde. Wir schauen auf die Gesamtheit aller gewohnheitsmässigen Handlungen, alle Momente des täglichen Lebens, gelebt in unserem einzigartigen Rhythmus- früh oder spät aufstehen, Kaffee oder Tee, Kinder oder kinderlos, Erfüllung oder Bedauern, die Verbindungen mit Partnern, Lehrern, Liebhabern und Freunden, die Beiträge der Natur und unserer Kultur, glückliche Beziehungen oder bittere Loyalität, Lachen, Weinen, Kritik, Freundlichkeit, Ehrgeiz, Ängste, Enttäuschungen, Traumata, Kindheit, Verrate, Grausamkeiten, Süchte, Eigenheiten, einfache Freuden, Höhen und Tiefen im Fluss des Lebens, auf das wir zurückschauen.
Jeder winzige Moment, einige zufällig und unvorhersehbar, andere mehr oder weniger bewusst als lebenslange Verhaltensweisen gewählt, bildet einen Teil des absolut einzigartigen, niemals wiederholbaren Gewebes, das wir aus allen Momenten einer Lebenszeit weben.

Jeder winzige Moment des Selbstausdrucks wird das Gemälde des Lebens, betont durch die stärkeren Striche von Kindern, Errungenschaften, Kreationen, Leidenschaften, Abenteuern, Besitztümern, eventuellen spirituellen Qualitäten und tiefen Erkenntnissen.

Der Mensch beginnt, sein Leben anzuerkennen, zu ehren. Die Lebensrückschau gibt Bestätigung, Erkenntnis über deine eigenen Werte und deines Wertes für andere. Jemand sagte einmal: "Es ist garnicht soo schlimm. Ich wusste nie, wie sehr ich geliebt werde. Wenn du dich öffnest für die Liebe und Fürsorge, die dich umgeben, hast du die Gelegenheit, wirklich etwas über dich zu lernen."

Die Lebensrückschau ist eine Gelegenheit, die Lebensweisheit auszudrücken, die wir gefunden haben, und ist als solches eine konstruktive heilende Erfahrung.
In einer Bewusstseinsentwicklung ist die Lebensrückschau ein bedeutender Prozess und bietet die Gelegenheit zu einem seelischen Abschied. Sie ist ein Schritt in der Bewegung über das mentale Ego hinaus, in Vorbereitung des Eintritts des Selbst in transpersonale Bewusstseinsdimensionen.
Sie beruhigt das mentale Ego. Die Lebensrückschau ist wie das Studium der Unterlagen unseres eigenen Identitätsprojekts, ein Entdecken der Schätze in den Tiefen unserer Beziehungen, von Weisheitsbruchstücken, und von Klarheit über Werte, von denen wir nicht einmal wussten , dass sie in uns vorhanden waren, weil wir im Leben in unserer Hast so schnell an ihnen vorbeieilten.      >> CD | Bewusste Lebensrückschau

Ein integriertes Gefühl des Selbst und der Krankheitsverlauf an sich können uns sicherlich darin unterstützen, über die Lebensrückschau hinaus noch weiter zu gehen.
Entwicklungsmässig entfaltet sich, wenn wir weitergehen, die Lösung von unserem Leben.
Wir sind nicht so sehr die Details unserer Biografie, sondern das Bewusstsein, das dieses Leben lebt. Die Verabschiedung unseres Leben ist das tiefe Loslassen unserer persönlichen Geschichte durch ein tiefer integrierendes Eintreten in den gegenwärtigen Moment. Die Lösung von unserem Leben ist eine Seinshaltung, in der unsere Konten nicht ausgeglichen, sondern gelöscht werden, in der Probleme nicht gelöst werden, sondern sich auflösen.


Das Identitätsprojekt kann endlich anerkannt und dann zurückgelassen werden, so wie man einem geliebten Kind zuwinkt, von dem man weiss, dass es bereit ist, das Haus zu verlassen.

Mit einer tödlichen Erkrankung und im Prozess des Sterbens verändern und transformieren sich Erscheinung, Fähigkeiten, Aktivitäten, Anhaften, Hunger auf Dinge, Vorlieben und Abneigungen.
Die Bewegung geht immer vom Unwesentlichen zum Essentiellen, von der Peripherie zum Zentrum, von der Oberfläche in die Tiefe.


Die alten Antworten auf die Frage "Wer bin ich?" werden substanzloser und beginnen zu stottern, wie ein Auto ohne Benzin. Während das alte Selbstbild anfängt, sich aufzulösen, entsteht mehr Raum, in dem wir das Selbst erfahren. Während der Körper schwach wird und alte Illusionen verwelken, verdeutlicht sich das formlose Bewusstsein - das, was in jedem von uns wirklich und essentiell ist- und die Qualität, in jedem einzelnen Moment zu leben und daran teilzunehmen verstärkt sich. Wir verlassen die ängstliche , klammernde , kontrollierende und sich getrennt glaubende Identität, und werden von Gnade (3) - einer Kraft, die so viel grösser ist als das getrennte Selbst- in eine innere Geborgenheit getragen, in Frieden.

Wir öffnen uns für neue Aspekte unseres eigenen Seins. Vor der Erfahrung des näherkommenden Todes haben wir unser Selbst nur durch die Begrenzungen gekannt, die wir gezogen haben, um das mentale Ego zu definieren und abzugrenzen. " Wenn du dein `Selbst´ beschreibst oder erklärst oder es nur im Inneren fühlst, ist das, was du tatsächlich machst, eine gedankliche Linie oder Grenze durch den ganzen Bereich deiner Erfahrung zu ziehen, und alles auf der Innenseite jener Grenze fühlst du als oder nennst es dein `Selbst´, während du alles auf der Aussenseite als `Nicht-Selbst´ empfindest. Deine Selbst-Identität ist also, in anderen Worten, völlig davon abhängig, wo du jene Grenzlinie ziehst." Sterben löscht jene Begrenzungslinien aus.

Sterben, und authentische Meditation, die danach strebt, die Stadien des Sterbens zu imitieren, damit wir "lernen, zu sterben, während wir noch am Leben sind", bringen uns beide zurück zur Seele.

Um Stephen Levine´s provozierende Frage zu stellen: Wer stirbt?

Weil du glaubst, geboren worden zu sein, fürchtest du den Tod.
Wer ist es, der geboren wurde?
Wer ist es, der stirbt?
Schau nach innen.
Welches Gesicht hattest du, bevor du geboren wurdest?
Wer du in Wirklichkeit bist, wurde niemals geboren und stirbt niemals.
Lass los, wer du glaubst zu sein, und werde, wer du immer gewesen bist.

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Glossar:

(1) Identitätsprojekt: Unsere unbewusste innere Entscheidung, an ego-zentrierter Bedeutung und Vorstellungen festzuhalten. Alles, was wir unser bisheriges Leben getan haben, um unsere Idee eines getrennten, unabhängigen Selbst um jeden Preis zu erschaffen und aufrechtzuerhalten.

(2) Erste Dualität: Die erste und hauptsächliche Trennung von der Einheit, aus der wir gekommen sind, die von der sich entwickelnden Psyche erkannt wird:die Trennung zwischen Selbst und Nicht-Selbst, Selbst und Anderen; sie erschafft die Erfahrung des Getrenntseins.

(3) Gnade: Eine Qualität der Seele, des Göttlichen, jenseits des Ego; eine subtile Dimension von Freude, Schönheit, überfliessendes und verbindendes Leben, in das wir eingehen oder das uns spontan enthüllt wird als Geschenk des Göttlichen.

(4) Das mentale Ego: Das erfahrene Gefühl des Selbst, das aus Konzepten in der Zeit der frühen Kindheit, des Heranwachsens und dem frühen Erwachsensein gebildet wird; entfremdet vom Urgrund des Seins; handelt mit einem Gefühl der Unabhängigkeit und Autonomie und macht immer so weiter, bis transformierende Bedingungen( Krisen, Verlust, Krankheit, Sterben) einschreiten.

(5) Urgrund des Seins: das Göttliche, Leben, unsere eigene essentielle Natur, Energie des Eins-Seins jenseits der Form, lebenserhaltend, kehrt letztendlich zurück zu sich selbst als der Quelle.

(6) BARDO: ein tibetisches Wort für eine Lücke oder Öffnung zwischen zwei Dimensionen des Seins oder Bewusstseins, die einen Einblick von grösserer Tiefe und Unendlichkeit erlaubt, und die Gelegenheit, sich auf einer höheren Ebene zu stabilisieren.  

 

 

 

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Seelisch-Spirituelle
Sterbebegleitung


 





Bewusstseinsprozess
  über die Frage "Wer bin ich? "
CD 2007
Im Zen heisst dies
"Der Grosse Tod"


 

 



Audioclip | Der Zenmeister Bassui
spricht zu einem Sterbenden über das Wesentliche und die innere Fragestellung: Wer stirbt?
Wer bin ich?   >>>

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

CD 2021 in der Reihe
zur Sterbebegleitung

"Lebensrückschau"

 

 

 

 

 

 

 

 

 



3- CD Set 2018

Transformation und Gnade
im Leben und Sterben