Chemotherapie- Fluch oder Segen?
Die Diagnose Krebs löst bei den meisten Menschen einen Schock aus. Kein Wunder: mit Krebs verbinden sie Hilflosigkeit, Ohnmacht und Tod.
Ist dieser erste Moment des Schreckens überwunden, stellt sich jedoch sofort die nächste Frage: Wie soll es weitergehen? Die Grundlagen der Krebsbehandlung sind nach wie vor die Tumor zerstörenden Therapien, allen voran die Operation. An zweiter und dritter Stelle stehen Bestrahlung und Chemotherapie. Letztere wird auch in Fachkreisen seit etlichen Jahren besonders kontrovers diskutiert.
Zur Diagnose Krebs zählen viele verschiedene bösartige Tumorerkrankungen. Einerseits die organspezifischen soliden Tumore wie Karzinome oder Sarkome. Andererseits die malignen Systemerkrankungen, die das Blut-, Lymph-, und Nervensystem befallen können. Diese Unterschiede sind auch der Grund dafür, dass es keine bestimmte Art der Krebsbehandlung gibt. Grundsätzlich gilt, dass die Chancen auf Heilung umso besser sind, je früher die Krankheit bekämpft wird. In diesem Fall gilt die Operation als Methode der Wahl. Wenn die Tumore allerdings bereits Metastasen gebildet haben, ist die Vorgehensweise schwieriger. Doch in beiden Fallen gilt: die konkrete Therapie muss individuell geplant werden. Dabei können die Waffen der konventionellen Medizin in vielen Fallen eine zeitweilige Hilfe bieten. Das Vertrackte ist allerdings, dass häufig mit zahlreichen Nebenwirkungen zu rechnen sind, die in vielen Fällen eine erneute Krebserkrankung begünstigen können. So bei der Chemotherapie.
Keine Therapie darf mehr Probleme verursachen als die Krankheit selbst!
Um die Chemotherapie haben sich in den vergangen Jahren zahlreiche zum Teil recht emotionale Diskussionen entsponnen. Behandelnde Arzte vermitteln ihren Patienten nicht selten das Gefühl, diese Form der Therapie sei ihre einzige Chance und je schneller sie sich dafür entscheiden, umso besser. Dass diese Behandlung jede Menge unmittelbarer und quälender Nebenwirkungen hat, die oft längerfristig die Gesundheit schädigen, wird eher nebenbei erwähnt. Doch genau das ist der Punkt: Gerade bei einer Behandlung, die erhebliche Nebenwirkungen nach sich zieht, sollte sich jeder Patient genügend Zeit nehmen, ausreichend Informationen zu sammeln, um dann eine Entscheidung fällen zu können.
In keinem Fall sollte die Entscheidung allein dem Arzt überlassen werden.
Die meisten Chemotherapeutika (auch Zytostatika) sind medizinische Substanzen pflanzlicher oder mikrobieller Herkunft, welche die Zellteilung verhindern oder verzögern sollen. Der Unterschied zur Operation oder Bestrahlung ist der, dass nicht nur ein eingegrenzter Bereich, sondern der ganze Körper erreicht wird. Das bedeutet, dass bei einer Chemotherapie zwangsläufig andere Zellen in Mitleidenschaft gezogen werden. So zum Beispiel das Knochenmark, in dem die Blut- und Abwehrzellen gebildet werden - mit schwerwiegenden Folgen:
Es werden nicht mehr ausreichend Abwehrzellen gebildet. Das führt dazu, dass die körpereigene Abwehr erlahmt oder sogar ganz ausfällt. Dadurch steigt die Anfälligkeit für Infektionen, Rezidiven oder Metastasen.
Durch den Abfall der Blutplättchen wird die Gerinnungsfähigkeit des Blutes vermindert. Dadurch kann es zu Blutungen in den Organen oder an der Haut kommen.
Da durch eine Chemotherapie auch die Zahl der roten Blutkörperchen absinkt, wird weniger Sauerstoff aus der Lunge durch den Körper transportiert. Atemnot, Müdigkeit und Erschöpfung können die Folge sein.
Warum Chemotherapie oft erfolglos ist
Nun gut, mag so manch einer sagen, das nähme man ja gerne in Kauf, wenn als Gegenleistung der Krebs besiegt wird. Aber genau das passiert nicht zwangsläufig:
Das Problematische an der Chemotherapie ist, dass nicht sicher ist, ob die Krebszellen überhaupt auf die Zytostatika reagieren. Die Tumorzellen in einer Geschwulst teilen sich nicht alle gleichzeitig. Zytostatika schädigen aber nur die in Teilung befindlichen Zellen. Zellen, die gerade ruhen, erkennen sie nicht. So bleiben bei jedem Therapiezyklus Krebszellen übrig, die zum Teil gegen die Zellgifte resistent geworden sind. Die Folge sind Mutationen.Krebszellen sind auch nicht passiv, sie reagieren auf Therapieversuche. Je spezifischer also die Substanzen wirken, umso spezifischer reagieren die Krebszellen. Bei soliden Tumoren wie Brust-, Lungen- oder Darmkrebs erwischt man mit einer Chemotherapie nie die letzte Zelle. Genau diese Zelle aber ist es, die mit jedem Schritt dazu lernt. Das geht so weit, dass Krebszellen unliebsame Substanzen gleich wieder aus der Zelle hinausschleusen. Die Folge: Medikamente schädigen die normalen Zellen, die Krebszelle hingegen bleibt unberührt. Nachwachsende Tumorgenerationen lassen sich nicht mehr in den programmierten Zelltod treiben. Die Chemotherapie verpufft wirkungslos. Allerdings mit all den quälenden Nebenwirkungen. Um dem vorzubeugen, werden, gerade im fortgeschrittenen Krebsstadium, in der Regel "Cocktails" mit verschiedenen Substanzen gegeben, in der Hoffnung, dass eine davon schon helfen wird. Mittlerweile geben jedoch immer mehr Krebsspezialisten zu, dass vielleicht gerade einmal ein Viertel der behandelten Patienten auf den Giftcocktail reagiert!
Das Schlimme ist, dass trotz dieser ernüchternden Erkenntnis jährlich zahlreiche neue Mittel auf dem Markt zugelassen werden, für die Arzneimittelhersteller zum Teil gigantische Summen verlangen und im Austausch ein längeres Leben versprechen. Die Anzahl der Chemotherapeutika, die im Umlauf sind, ist extrem angestiegen. Dass diesem enormen Anstieg auf der anderen Seite nur geringfügige Therapieverbesserungen und fast keine gesteigerten Heilungschancen gegenüberstehen, scheint nur wenige zu interessieren.
Gerade bei fortgeschrittenen Krebserkrankungen hat die Chemotherapie nach neueren Forschungen auf)er Qualen nicht viel bewirkt: Erfahrene Kliniker konstatieren, dass die Chemotherapie für das Überleben von Frauen mit fortgeschrittenem Brustkrebs nichts gebracht hat. Manche Ärzte glauben sogar, dass die Ausweitung der Chemotherapie gerade bei Brustkrebs für den Rückgang der Überlebensrate verantwortlich sein könnte. Viele Forscher kritisieren auch, dass die Beweise für den tatsachlichen Nutzen der Chemotherapie fehlen.Zunehmend mehr stellt sich heraus, dass die Chemotherapie wesentlich weniger hält, als dem Patienten oft suggeriert wird. Auch hat sich gezeigt, dass in vielen Fallen sanftere Methoden mit weniger quälenden Nebenwirkungen, oft die gleichen Erfolge erzielen, wie eine Chemotherapie, beziehungsweise, dass eine begleitende alternative Behandlung die Nebenwirkungen reduziert.
Gerade in Anbetracht der vielen Nebenwirkungen - chronische Organschaden, Nervenstörungen, Erschöpfung, Haarausfall, Übelkeit, Entzündung der Schleimhäute, um nur einige zu nennen - ist es unabdingbar, sich umfassend mit dem Thema Chemotherapie zu befassen, bevor man eine Entscheidung fällt. In jedem Fall sollte man sich zuvor genau über den Nutzen, aber auch die möglichen Risiken aufklären lassen.
Auf keinen Fall sollte man sich von einem Arzt unter Druck setzen lassen. Ideal ist es, wenn der Betroffene einen Arzt findet, der ihn als mündigen Patienten ernst nimmt und ihm bei der schwierigen Entscheidungsfindung die Zeit lässt, die er braucht, um die Entscheidung treffen zu können, hinter der er hundertprozentig steht.
