Innere Stille
Vielleicht hast du die Redewendung gehört: Im Selbst zu verweilen. Ramana Maharshi hat diese Bezeichung oft verwendet, wenn Leute fragten, was sie tun sollten, was die Praxis wäre.
Wenn wir es auf die ganz praktische Essenz ihrer Bedeutung reduzieren, auf die Ebene der Erfahrung, könnte man das Selbst als Stille bezeichnen, Bewusstein, Erfahrung.
Ich würde es stilles waches Bewusstsein nennen. Dies ist wirklich das Selbst. Ein wacher stiller Geist.
Auf der Ebene von Erfahrung also, im Selbst zu verweilen, in stiller wacher Erfahrung zu verweilen, denn dies ist die grundsätzliche Praxis. Dies ist die Praxis. Wenn es überhaupt eine Praxis gibt, ist es dieses: in stiller wacher Bewusstheit zu verweilen. In Stille zu verweilen ist einfach, der Stille zuzuhören, Bewusstheit in die Stille zu bringen. Es kann mit äußerer Stille beginnen, der Stille, die sich unmittelbar zwischen den Worten zeigt, die gesprochen werden, die Stille bricht immer wieder durch, sobald der Klang verhallt, also einfach Bewusstheit in die Stille zu bringen.
Du kannst lernen, deine Aufmerksamkeit auf die innere Stille richten, dein Bewusstsein von dem zurückzurufen, was man es gelehrt hat: auf Lärm zu hören; und diese Bewegung umzudrehen und die Bewusstheit auf Stille zu richten, auf äußere Stille und schließlich auf Innere Stille. Es ist so etwas wie der Hintergrund, vor dem alle diese Erfahrungen geschehen.
So dass Stille da ist, wenn du aufhörst zu denken.
Und es erfordert ein subtileres, verfeinertes Bewusstsein, Aufmerksamkeit auf Stille zu richten.
Später erkennst du, dass Stille da ist, ganz gleich ob du denkst oder nicht. Diese Stille kannst du so sehen wie eine Tafel, du kannst viele Dinge darauf schreiben, aber dass du darauf schreibst, bedeutet nicht, dass die Tafel verschwindet. Und wenn du alles auslöscht, hast du nicht mehr Tafel als am Anfang. Genauso hängt Stille, wirkliche innere Stille, nicht von der Abwesenheit von Geräuschen ab; sie ist der Hintergrund, vor dem alle unsere Erfahrungen geschehen.
Meditation ist einfach Wahrnehmung, Bewusstheit. Und sie enthüllt - sie hat nichts mit ausdenken zu tun. Sie erfindet nichts; sie entdeckt nur, was da ist.
Und was ist da? Du trittst ein und findest unendliche Leere, so unglaublich schön, so still, so voller Licht, so köstlich, dass du das "Gottes Königreich" betreten hast. Wie ich es ausdrücke: du hast Göttlichkeit betreten.
Und wenn du erst einmal in diesem Zustand warst, kommst du heraus und bist ein völlig neuer Mensch.
Jetzt hast du dein ursprüngliches Gesicht. Alle Masken sind verschwunden. Du wirst in derselben Welt leben, aber nicht mehr auf die gleiche Art. Du wirst unter denselben Menschen sein, aber nicht mit der gleichen Haltung, und der gleichen Herangehensweise. Du wirst wie ein Lotus leben: im Wasser, aber völlig unberührt vom Wasser.
Wenn du dem Rauschen des Meeres zuhörst, oder einem Gewitter oder dem Prasseln eines Regengusses, dann leg dein Ego beiseite, denn du brauchst es jetzt nicht. Das Meer wird dich nicht angreifen und der Regen und die Bäume auch nicht. Du brauchst dich nicht vor ihnen zu schützen. Sei einfach offen für das Leben und für die ganze Existenz. Dann werden diese Momente immer öfter kommen. Und bald wird dein ganzes Leben diese Qualität annehmen.
Wo immer du auch bist, zu Hause, bei der Arbeit oder auf dem Weg dorthin - du kannst jedes Geräusch und sogar Lärm dazu nutzen, nach innen in einen Raum der Ruhe und Stille zu gehen.
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