Die Erforschung des Selbst im Sterbeprozess
Sterben, und authentische Meditation, die danach strebt, die Stadien des Sterbens zu imitieren, damit wir "lernen, zu sterben, während wir noch am Leben sind", bringen uns beide zurück zur Seele.
Um Stephen Levine´s provozierende Frage zu stellen: Wer stirbt?
Weil du glaubst, geboren worden zu sein, fürchtest du den Tod.
Wer ist es, der geboren wurde?
Wer ist es, der stirbt?
Schau nach innen.
Welches Gesicht hattest du, bevor du geboren wurdest?
Wer du in Wirklichkeit bist, wurde niemals geboren und stirbt niemals.
Lass los, wer du glaubst zu sein, und werde, wer du immer gewesen bist.
Unser Ich-Gefühl, das Gefühl der Identität, unterliegt tiefen und unnachgiebigen Veränderungen im Verlauf einer tödlichen Krankheit, im Sterbeprozess, und auch in einer Bewusstseins- Transformation des "spirituellen Erwachens" während unserer Lebenszeit.
Interessen an den Ablenkungen der Oberfläche verschwinden, und der Fokus richtet sich auf das Zentrum des Seins an sich.
In diesem unerforschten Territorium transformiert sich die Identität, in Schritten und Sprüngen, vom Individuellen zum Absoluten, fast immer auf schmerzhafte und oft auf ungewohnte Weise. Mystiker unserer Zeit beschreiben insbesondere die Erforschung des Seins als ein Gefährt umfassender Transformation. Das " besondere Hilfsmittel", das wir selbst als Teil unseres Lebens und in der Begleitung Sterbender praktizieren, ist die andauernde Haltung des ehrlichen Erforschens. Es ist die ständige innere Frage "Wer bin ich?". Dieser Vorgang beinhaltet sowohl aufmerksame wache Erforschung als auch das Beenden aller bisherigen gedanklichen Vorstellungen und Überzeugungen. Die Idee des "ich", dieses Gefühl von persönlicher Identität und persönlichem Weiterbestehen, wird das Objekt der Erkundung und Nachforschung.
Im ständigen wachen Wiederholen dieser Frage geschieht eine Verschiebung der Bewusstseinsebenen, zusammen mit Veränderungen in der Qualität der Aufmerksamkeit, die dem Selbst verfügbar ist. Die Wachsamkeit wird zunehmend klarer und umfassender. Dieser Prozess wird während der Erfahrung des Sterbens bei den Menschen intensiviert, die bereits im Leben erkannt haben, dass sie nicht wissen, wer sie wirklich sind, weil die Illusion der gedachten Persönlichkeit für die spirituelle Intelligenz erkennbar wird.
Zuerst sind die Antworten auf die Frage " Wer bin ich ?" die einfachen und automatischen Entgegnungen, an die wir uns während der Jahrzehnte des "Identitätsprojekts" (1) des mentalen Ego(5) gewöhnt haben.
Während diese Identitäten -meist Aspekte der geschlechtlichen Identität als Mann oder Frau, Errungenschaften, soziale Rollen und Verbindungen- sich angesichts der täglichen Beleidigungen verringerter Aktivitäten mehr und mehr auflösen, entfaltet sich hier die erste Bewegung über das mentale Gebäude des "Ich" hinaus. Die Antwort auf "Wer bin ich?" wird mit stammelnder Verwirrung, Unsicherheit und Chaos gegeben.
"Wer bin ich denn noch , wenn ich dies... nicht mehr bin, oder dies...nicht mehr tun kann?" Diese Frage höre ich mit verschiedenen Formulierungen oft an der Seite eines Sterbenden.
Wenn ich unfähig bin, weiterhin vorwärts zu schauen, wenn es keine Zukunft gibt, nirgendwo mehr hinzugehen, ist dieses "Wer bin ich " gefangen und erschrocken wie ein Verdächtiger in einem Verhör, dem blendenden Licht und den Augen aller ausgesetzt. Eine Zeit der Stille ereignet sich, ein Innehalten. Die weitere Bewegung im Zurücklassen des mentalen Ego scheint Licht auf die nächste Antwort auf die Frage "Wer bin ich?" Die Antwort ist ein großes Fragezeichen. Dies ist unser ehrliches Bekennen, das wir überhaupt nichts wissen.
Nicht-Wissen ist gut. Es ist die Situation, in der wirkliche Weisheit entstehen kann. Weil es keine festen Vorstellungen mehr gibt, wird alles so wahrgenommen, wie es ist. Aus diesem Nicht-Wissen steigt plötzlich oder langsam die nächste Antwort auf die Erforschung des Selbst auf. Die Illusion zerplatzt, und die Wirklichkeit scheint durch die Löcher und Ritzen.
Dies ist "Das Erwachen aus dem Traum", von dem ich im BARDO- Prozess spreche.
Hier ist große Klarheit und die "unaussprechliche Erkenntnis, wer ich bin". Es ist eine "Befreiung aus dem Gefängnis meiner Subjektivität", wie es viele Weisheitstraditionen nennen.
Ich fragte einmal einen Sterbenden kurz vor seinem Tod, was er glaube, was nach seinem Tod geschähe. Er sagte, er glaube, dass er nach seinem Tod aus seinem Körper austreten und in einem Raum von tiefstem Frieden gehen würde. Ich sagte ihm , wie es mich berührte, dass er erkannt hatte , das er nicht sein Körper sei. Er warf mir einen scharfen Blick zu und sagte: " Für wie dumm hältst du mich eigentlich ?"
Diejenigen, die sterben oder weit auf dem Weg der Transformation gegangen sind, fragen sich oft, wer das war, der sie dort auf den Fotos aus glücklicheren, gesünderen Zeiten ansieht, wer das war, der Parties gegeben hat, oder leidenschaftlichen Sex hatte, oder stolz darauf war, für die Familie zu sorgen - frühere Bilder des Selbst, die dahinschwinden wie saftige Pflanzen in einer lang anhaltenden Dürrezeit. " Wer ist das, der mich jetzt aus dem Spiegel anstarrt". "Wer ist dies kahlköpfige Skelett".
" Wo ist die Schönheit, die einst die Aufmerksamkeit vieler Männer auf sich zog?“
" Wo ist der Turm von Stärke, dem alle Respekt zollten?".
Oder einfach " Wer bin ich jetzt?"
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Die Gnade und die Transformation im Sterben
CD- Programm über spirituelle Sterbebegleitung
Der Sterbeprozess
